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Die Piratenpartei – Deutschlands neuer Problembär?

Posted by krischan - 18. Oktober 2011

War die mediale Präsenz und Aufmerksamkeit, die der Piratenpartei nach der Europawahl und dem sog. „Zugangserschwernisgesetz“ zuteil wurde, bereits immens, hat sie nach dem grandiosen Erfolg bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus und den Bezirksverordnetenversammlungen neuerlich ungeahnte Höhen erreicht. Genauso verständlich wie diese Tatsache ist wohl jedoch auch der natürliche Beißrefelx, der nun erneut von allen Seiten einsetzt. Aber da einige alte ‚Argumente‘, z.B. eine Stimme für die Piratenpartei sei eine „Stimme für den Gulli“, nun nicht mehr greifen, müssen nun neue her, während sich andere hartnäckig halten. Sehr schön zusammengefaßt liest sich das in einer neuen Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung
und in einer Reihe immer neuer Artikel in der taz bspw. (http://www.taz.de/Debatte-Piratenpartei/!80139/ http://www.taz.de/Ex-Neonazis-bei-der-Piratenpartei/!80040/)
Die Piratenpartei avanciert also zum neuen Problembär der deutschen Politik?
Denn das Problem ist nun, daß er im vermeintlichen Hoheitsgebiet der ‚etablierten‘ Parteien wildert. Zwar haben wir derzeit eine mehr oder weniger lange Phase eines Mehrparteien-Systems in Deutschland, aber letztendlich ist zumindest in den letzten 30 Jahren immer dasselbe dabei herausgekommen. Wer in den 80ern groß geworden ist, kannte 16 Jahre lang eh nur einen Kanzler und einen Politikstil: den des Aussitzens. Und wer ’98 an einen wirklichen Wandel glaubte, wurde auch sehr bald von Rot-Grün enttäuscht. Außer dem Atomausstieg I änderte sich im Wesentlichen nichts, vielleicht noch die Homo-Ehe. Ansonsten wurde auch nur der Dicke von einem Genossen der Bosse abgelöst, die Armen wurden ärmer und die Reichen reicher, die Spaltung der Gesellschaft vergrößert. Die Grünen verrieten Ihre einstigen pazifistischen Ideale und schickten deutsche Soldaten in die Welt, um dort angeblich deutsche Interessen mit Gewalt zu verteidigen, aber statt Partizipation und Mitbestimmung für alle wurde sich lieber, selbst arriviert, gemütlich unter den Etablierten eingerichtet. Und erst einmal etabliert, war etabliert bald das gleiche wie konservativ.
In letzter Zeit nun liest man häufiger von dem Problem des Konservatismus und der dort angestammt verorteten CDU, hört Rufe nach einer neuen, konservativen Rechten. Rechtspopulistische Schreihälse findet man aber bereits ebenso in jeder etablierten Partei.
Konservativ, d.h. Politik aus der Konserve: alles einkochen, alles Lebendige abtöten und dauerhaltbar machen. Mittlerweile macht es überhaupt keinen Unterschied mehr, ob jede Partei ihren eigenen Brei einkocht und in Dosen abfüllt oder ob nur noch ein großer Eintopf in einzelne Konserven mit unterschiedlich farbigen Etiketten abgefüllt wird. Es ist alles gleich fad, sie alle sind gleich konservierend: Hauptsache, am Alten ändert sich nichts, es soll bitte alles so bleiben wie es ist. So ist das System.
Und es ist eine Grundeigenschaft von Systemen, daß sie beharrlich sind gegen Veränderungen, und zwar prinzipiell – das ist nämlich Sinn und Zweck von Systemen, eine einmal geschaffene Ordnung zu erhalten.
Das Fatale ist nun, daß man, in so einer Konserve sitzend, auch keinerlei Kontakt mehr zur Außenwelt hat. Und in der hat sich etwas getan in der Zwischenzeit.
Da kam nämlich dieses Internet daher, erst einmal wieder nur als so eine neue technische Spielerei aus den USA, anfangs aber völlig uninteressant. Dann witterten plötzlich viele richtig fette Beute damit machen zu können, und die erste gewaltige Spekulationsblase platzte – vor 10 Jahren übrigens schon. Trotzdem konnte und kann man weiterhin viel Geld damit machen. Man braucht nur immer neue Gesetze, um die althergebrachten Geschäftsmodelle und Herrschaftsstrukturen aufrecht erhalten zu können. Denn es soll sich ja bloß nichts ändern.
Nun jedoch geht da plötzlich irgendetwas Ungeheueres vor sich in diesem Internet. Da kommen irgendwelche Leute raus und mischen sich ein. Und Millionen Menschen gefällt das. Den konservierten Konservativen in schwarz, gelb, grün und rot natürlich ganz und gar nicht, denn bis heute hat bis auf ganz wenige Ausnahmen niemand unserer Volksvertreter wirklich begriffen, mit was sie es da zu tun haben. Während die sich nämlich in ihren parteipolitischen Schützengräben immer noch genauso selbstgerecht wie erfolglos mit den angesammelten und ungelösten Problemen der letzten 30 Jahre herumschlagen („Die Rente ist sicher“, „in 2, 3, 4 Jahren blühende Landschaften“, „soziale Gerechtigkeit“, „Bildung ist Zukunft“ usw.), haben wir es derweil mit nichts Geringerem als einem Meilenstein in der Geschichte der Menschheit, nämlich zur Menschheitswerdung, d.h. der Globalisierung der Menschen, nicht nur des Kapitals, zu tun. Das Internet ist die Freiheit der Information, jeder kann mit jedem auf der Welt kommunizieren, jeder kann sich frei seine Informationen aussuchen und ist nicht mehr darauf angewiesen, welche Informationen andere ihm wie zuteilen und welche nicht. Das Internet kennt keine gesellschaftlichen Hierarchien, keine Ideologien und keine Pfründe.
Das heißt, das bedeutet es alles u.a., aber was ist es denn nun? Es ist Hardware und Software, vor allem aber ist es, was es bedeutet. Und die Bedeutung wird weiter wachsen, weitaus mehr und schneller als jede herkömmliche, kapitalistische Wirtschaft es noch wird. Es kann erstmals alte Systeme überkommen, bevor diese in einer riesigen Katastrophe untergehen und durch ein neues ersetzt werden. Es ist redundant, selbstorganisierend und innovativ. Und diese Eigenschaften beschreiben als einzige Partei auch die Piraten. Die Zeit der Konserven-Politik ist zu Ende, und reif für eine Gesellschaft, die sich wieder weiter entwickeln kann.

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Die Großillusionisten des Kapitalismus: die Hochfinanz

Posted by krischan - 14. Oktober 2011

Jeden Tag ist etwas Neues über die Euro-Krise zu lesen und immer noch gibt es Leute, die einfach nicht verstehen wollen, was hier vor sich geht. Dabei ist es so einfach, daß jeder Achtjährige es kapiert. Es wiederholt sich ein Mechanismus, ich erklär das – zum letzten Mal:

Das Geld in dieser Gesellschaft ist nicht gerecht verteilt. Wir nennen das Kapitalismus. Kapitalismus funktioniert so: Die einen haben das Geld, weil sie das Geld drucken. Sie stellen die Regierung, bzw. suchen die aus, die sie uns zur Wahl in Aussicht stellen. Menschen in Spitzen-Positionen, Spitzen-Verdiener, da via zahlreicher Berater-Jobs nicht eng mit dem Konzern verbandelt, sondern ihre Angestellten.
Also nochmal: Denen, denen das alles gehört, drucken das Geld, und bestimmen dessen Wert in Form von Arbeit und Stundenlohn. Jeder, der in einer solchen Gesellschaft überleben will und nicht vermögend ist, braucht Geld, um über den Monat zu kommen. Damit geht er zum Bäcker, er zahlt die Miete oder die Krankenversicherung. Geld bekommt man nur gegen Arbeit, es sei denn, man hat sehr viel davon, dann bekommt man Geld, wenn man arbeiten läßt.

Ein Markt läuft an. Die Arbeiter produzieren Waren, die käuflich sind wie alles im Bi-Turbo-Kapitalismus. Dafür bekommen sie Geld. Die, denen das ganze Geld gehört, werden noch einfluß-reicher, weil sie nicht zur Arbeit gehen. Sie lassen sich gehen. Dekadenz ist da nur ein Beispiel. Reiche Menschen lassen Geld für sich arbeiten, indem sie Geld an jene verleihen, die zwar arbeiten gehen, sich aber dennoch kein Auto z.B. cash kaufen können. Also bekommen sie einen Kredit. Fast alle haben was davon, denn wer auf Kredit kauft, bekommt z. B. das Auto sofort, er kann es sofort benutzen, schafft damit aber selber Jobs, da Autos selber ja nicht ohne Infrastruktur funktionieren. Am meisten aber hat der etwas davon, der den Kredit vergibt. Denn dafür sprudeln reichlich Zinsen. Zinsen sind die Vereinbarung, daß mehr Geld zurückbezahlt werden muß, als geliehen wurde. Wenn das sehr viele Menschen tun, und das machen ja fast alle, muß man sich die Frage stellen, warum das Geld nicht alle wird. Und schon sind wir wieder am Anfang. Wenn das Geld alle werden sollte, wird einfach mehr davon gedruckt von den Reichen.

Geld ist nichts anderes als eine Illusion, nur hinterfragen darf man das nicht. Außer als Superreicher. Warum? Weil Reiche nicht arbeiten müssen. Sie haben daher furchtbar viel Zeit und suchen sich ein Hobby: Sie wollen noch reicher werden. Das geht, indem sie z.B. die weniger reiche Konkurrenz erst aufkaufen und dann Monopole schaffen. Ein Monopol ist das Gegenteil von Marktwirtschaft. Es läuft darauf hinaus, daß einigen wenigen irgendwann alles gehört und der Mehrheit nichts. Monopole bestimmen den Preis der Ware, nicht der Warenwert, also nicht der wahre Wert. Ist der Markt gesättigt, sprich haben alle irgendwie ein Auto oder können sich keines leisten, müssen Superreiche sehen, wie sie noch reicher werden. Sie verlegen sich parallel auf das Verleihen von Kunst-Geld in Kunst-Banken, ugs. Großbanken. Großbanken sind heute eher Magier. Man erschafft abstrakte Dinge und verpackt diese dann aufwendig, wobei die Verpackung mehr wert ist als der Inhalt. Der Inhalt ist genau genommen wieder nur eine Illusion wie bei Copperfield: Wir sehen dem Mann beim Zaubern zu und wir wissen, es existiert ein Trick, aber wir erkennen ihn nicht, obwohl er vor unseren Augen abläuft. Exakt das ist Hochfinanz. Copperfield mit imaginärem Geld unter das Volk gebracht von Hedge-Fonds, Großbanken oder dem IWF. Das Ziel dieser Firmen ist jetzt, ganzen Staaten extreme Kredite anzudrehen, was diese Staaten dann mit den Geldern machen, ist ja unerheblich. Hauptsächlich die Verleih-Zinsen kommen pünktlich rüber. Und wie? Durch sog. Aufbau-Programme, Entwicklungshilfe oder ein Land wird „für ausländische Investoren geöffnet“. Das klingt großzügig, nicht wahr? Wenn ein Taschendieb Dir Deine Schlüssel klaut und dann an Profi-Einbrecher mit Umzugs-LKW verkauft, wird Deine Bude auch „für Investoren geöffnet“. Wir haben das unlängst erlebt, im Irak oder in Afghanistan oder jetzt in Libyen. Mit einem gigantischen Kredit wird dann im Land eine korrupte Elite geschaffen, die den Diktator ersetzt und im Gegenzug wird Großkonzernen, die wieder den Superreichen gehören, erlaubt, die Bodenschätze des Landes zu Dumpingpreisen an der Bevölkerung vorbei zu exportieren. So machen alle richtig cash bis aufs Volk: die korrupte Elite, die Großkonzerne, die Finanz-Jongleure, die den Deal einfädeln. Am Ende landen eh alle Gewinne steuerfrei auf irgendwelchen Offshore-Konten oder in der Schweiz und werden dort aber deutlich effektiver verteidigt als Deutschland am Hindukusch.

Zurück ins Land, in dem investiert werden soll: Am effektivsten ist vor jedem Aufbauprogramm ein ordentlicher Krieg. Den finanzieren Bänker immer über den Staat, also den Steuerzahler, der dann auch noch als Soldat verheizt wird. Das war so, und das ist so und wird uns unter immer neuen Begriffen verkauft: Demokratie-Export, Hilfe zur Selbsthilfe, uneingeschränkte Solidarität, Brunnenbau. Am Ende aber müssen immer Leute ohne Geld für Leute mit Geld in den Krieg: Soldat, daher das Wort: Soll. Nur auf der Haben-Seite bleibt nie etwas übrig, es sei denn, man delegiert Krieg. Egal, wie es später in den Medien dargestellt wird von entsprechenden PR-Agenturen, es geht nur darum, Superreiche noch reicher zu machen, weil sie nicht zur Arbeit müssen. Ihnen ist langweilig und sie bekämpfen sich gegenseitig immer mit dem Hintergedanken, auf der Forbes!-400er-Liste der reichsten Menschen der Welt in den Top 50 aufzutauchen. Verrückt! Aber nur darum geht es. Der Michael Jackson unter den Superreichen seiner Generation werden, die Number One. Aus Eitelkeit.

5% der Menschheit verfügen über 80% von allem, was da draußen rumsteht, aber sie können nichts damit anfangen, es reicht den Reichen nicht. Also spekulieren sie mit immer verrückteren Finanzdienstleistungen, die nichts anderes sind als Russisches Roulette. Ein einziger Unterschied: wenn sich sich wirklich mal ein Schuß löst und die Patrone aus dem Lauf jagt, schaffen es diese Superreichen weltweit und ihre gecasteten Regierungen, die Zeit extrem zu dehnen. Wie in Matrix. Dann schaffen sie es, uns zu verkaufen, es wäre ein Vorteil, ausgerechnet jetzt mit ihnen den Platz zu tauschen. Tun wir das, bekommt die Zeit sofort ihren natürlichen Speed zurück und – zack! – knallt uns die Kugel in den Kopf. Dann sind wir am Boden und der, der den Abzug betätigt hat, der macht sich quietschfidel auf zum nächsten Spieltisch. Konkret: Im Moment bringen Superreiche uns über ihre Pressesprecher, Volksmund: Politiker, dazu, daß der Staat, also Du und ich, die, die die Steuern zahlen, Superreiche zahlen keine Steuern, sie setzen sich und alles ab, daß du und ich z.B. Griechenland retten mit Milliarden von Euros, die später uns fehlen werden, z.B. für Schwangerschaftsberatung, für Schulen, für S-Bahnen, erneuerbare Energien usw. Wir tauschen die Plätze beim Roulette und dann, dann geht das Geld unter dem Rettungsschirm direkt nach Griechenland und zurück an die Verleihbank. Damit geht ihr Geschäftsmodell immer auf. Dann zahlt die Bank den Superreichen eine prima Dividende und den Rest, den behält sie. Ob dann Griechenland und Co. pleite gehen, scheiß egal, man kann gar nicht mehr pleite gehen als pleite. Ein Land, das sich das Vielfache des eigenen Staatshaushaltes von Dritten leihen muß und selbst diese Dritten dann an den Rand des Ruins treibt, ist pleite. Es ist bankrott. Auch hier steckt das Wort Bank drin: bankrott.

Jede Art von weiteren Verlusten schreibt die Empfänger-Bank eh von den Steuern ab, mit anderen Worten: Sie nimmt uns nicht nur die Steuern für Mütter und Gesundheitswesen, nein, sie selber zahlt auch keine. Also nochmal: Das Geld des Rettungsschirms ist das Geld des kleinen Mannes, es ist Dein Geld und es rettet die Dividende der superreichen Bankkunden und der Bank. Wenn man das in ganz Europa so macht, zieht erst die Inflation an und Du bekommst für deine sagen wir 1500 Euro nur noch den Wert von 400 Euro, weil z.B. Milch und Brot plötzlich das Vielfache kosten. Wird es noch schlimmer, verabschieden sich die Staaten plötzlich von diesem Geld und erklären es für nichtig. Tauschen es im Verhältnis eins zu was auch immer – hatten wir alles schon. Frag mal Opa.

Das ist Enteignung und trifft all jene, die nur über Sparguthaben verfügen. Die Superreichen haben ihr Geld parallel immer in Hardware angelegt: Ländereien, Gold, Immobilien. Das behält seinen Wert, nein, es steigert den Wert. Ist das Land erstmal kaputt, kommen eben diese Superreichen wenig später mit neuen Politikern, nachdem man die alten uns zum Fraß vorgeworfen hat, und helfen dem völlig verarmten Arbeiter, das Land wieder aufzubauen. Sie geben ihm viel Arbeit für einen Scheiß-Lohn und ködern ihn dann mit neuen Produkten, die er jetzt auf Pump kaufen kann zu einem supergünstigen Kredit in einer völlig neuen Währung.

Wer darauf im 21. Jhd. immer noch reinfällt, also dem ist nicht zu helfen.

Ich möchte an dieser Stelle eine Wette formulieren: Die Bundesregierung läßt schon jetzt neues Geld drucken, um im Falle X schnell genügend davon am Start zu haben. Nennen wir den neuen Euro Neuro. Der Neuro kommt, wetten daß?! Obwohl, wetten, das funktioniert hier nicht, weil z.B. keiner eine Wette auf einen Esel annimmt, der statt 2 Säcke Gold 200 Säcke Gold tragen soll. Das Tier wird unter der Last zusammenbrechen und ersticken. Das ist Physik. Und jetzt? Erstmal den Fernseher anmachen und sehen, was da kommt. Wetten, Merkel und Co. sagen uns jetzt ganz schnell, wie sie uns retten wollen. Dazu noch ein paar Bänker aus dem Umfeld, die das bestätigen, und boom, der Aufschwung ist da – für alle. Leute, es geht nicht um alle. Es geht um die Ackermänner dieser Welt.

Vielleicht noch ein Satz zur Güte und zum Verständnis: Versetzt euch mal in die Lage eines Superreichen, eines Superbänkers. Du bist umgeben von ungeheuerem Luxus, aber Du kannst Dir selber nichts kaufen, weil Dir schon alles gehört. Du kennst keine Vorfreude, es gibt keinen Wunsch mehr, der für Dich offen ist. Du bist wunschlos unglücklich. Diese Menschen nicht ganz klassisch zu enteignen, grenzt an unterlassene Hilfeleistung.

(Transkription von KenFM http://www.kenfm.de/ http://www.youtube.com/watch?v=k2LOFqT1k9M )

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FDP: Schicksalsjahre einer Protestpartei

Posted by krischan - 28. September 2011

Deutschland zwei Jahre nach der Traumhochzeit von Union und FDP: noch viel mehr Scherben als zum Polterabend. Aber es hätte schlimmer kommen können. Man stelle sich nur vor, die Koalition wäre nicht so heillos zerstritten und die üblichen politischen Kuhhandel würden funktionieren, dann hätte möglicherweise eine zur radikalen Splitterpartei verkommene FDP mit einem enormen Protestwahlergebnis von 14,6 % längst schwere Schäden in Gesellschaft und Gemeinwesen verursachen können. Aber stattdessen läuft es von Anfang an wie im Falle Dirk Niebel: Er wollte zwar das Entwicklungshilfe-Ministerium abschaffen, aber seinen eigenen Ministerposten wollte er dann selbstredend nicht abschaffen. Dies ist quasi das Parade-Beispiel der Leistungen dieser Koalition: Substanziell schweißt zwar so rein gar nichts diese beiden Koalitionäre zusammen, aber sie kleben alle gleich fest an ihren Posten. Nur krallt sich die FDP sicherheitshalber zusätzlich noch fest an ihren fünf Ministersesseln, wohlwissend, daß sie nie wieder so viele bekommen wird, möglicherweise sogar nie wieder welche.
Worüber der Fachmann sich wundern und der Laie staunen mag, ist ein in Natur und Geschichte durchaus häufiger zu beobachtendes Phänomen: Vor dem Tod erfolgt noch einmal ein richtiges Aufblühen und Aufbäumen. Hat die FDP vor genau zwei Jahren eben noch das beste Bundestagswahl-Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, liegt sie nun zerschmettert am Boden. Woran liegt das? Dazu wurde in den letzten Monaten bereits viel gesagt. Nur eines ist mir bis jetzt nicht zu Ohren gekommen, jedenfalls nicht im Zusammenhang mit der FDP, sondern wenn, dann nur mit der Piratenpartei. Die FDP war zu einer Protestpartei verkommen, hatte schwindelerregende Höhen erklommen wie schon unzählige andere rechte Protestparteien, die allesamt kurz in einem Strohfeuer aufleuchteten und dann in einem Knall auch wieder verschwanden. Daß die FDP ganz rechts außen im Bundestag ihren Platz hat, noch rechts neben CDU/CSU, sei hier nur am Rande erwähnt. In diesem Zusammenhang erscheint übrigens die Diagnose von Dirk Pfeil, die Wähler seien zu dumm für die FDP, natürlich absurd. Um rechte Protestparteien zu wählen, kann man eigentlich gar nicht dumm genug sein. Aber die FDP verortet sich ja nicht rechts, sondern in der Mitte. Genauer gesagt ganz, ganz oben, an der Spitze.
Trotzdem, und das hätte ihr vorher klar sein müssen, wurde sie 2009 überwiegend aus Protest gewählt. Immerhin 1,14 Mio. vorherige CDU-Wähler und sogar über eine halbe Million ehemalige SPD-Wähler gaben ihre Stimme letztes mal der FDP. Und wäre es wegen dem gewesen, was diese Partei im Programm zu stehen hat, wäre es ja nicht einmal das Schlimmste gewesen, auch nicht, wenn es wegen einer ganzen Riege herausragender Politiker gewesen wäre, die die FDP allerdings schon lange nicht mehr hat. Sie wurde doch hauptsächlich wegen des Scheiterns der Vorgänger-Regierungen gewählt, denn nur die FDP befand sich seit 11 Jahren in der vornehmen Oppositions-Rolle. Wie verzweifelt müssen die Bürger gewesen sein, daß sie sogar wegen eines der wahlentscheidenden Themen „Soziale Gerechtigkeit“ die FDP gewählt haben? Diese Wähler gab es wirklich! Wirtschaftspolitik – Für die breitere Bevölkerung früher eher CDU-Domäne, und der FDP eher dem erlauchten Kreise der oberen 10.000 vorbehalten, die jedoch plötzlich – relativ – auch nur noch doppelt so häufig ihr Kreuz hier machten wie auch Arbeiter und Angestellte, ja selbst Arbeitslose gaben zu 10% der FDP ihre Stimme.
Diese traurigen Wahrheiten waren leider im Siegesjubel und -taumel der FDP völlig untergegangen, das Allzeithoch konnte Westerwelle nicht in politische Stärke, sondern nur in Überheblichkeit und Abgehobenheit wandeln, selbstverliebt sich dem Wunschtraum hingebend, jetzt zur dritten „großen“ Volkspartei zu werden, und daß dies alles sein Verdienst sei. Aber oh je! Nach einem fulminanten Fehlstart, der wie eine Trunkenheitsfahrt – noch berauscht vom eigenen Erfolg – erscheint, herrschen seitdem Katerstimmung und Katzenjammer. Von Inhalten kann längst keine Rede sein, an politische Ziele oder gar gesellschaftliche Visionen wagt man schon gleich gar nicht mehr nur zu denken, auf dem Personalkarussell versucht ein Pausenclown nach dem anderen, mit populistisch-dummen Kirmes-Techno-Parolen von der unsäglichen Kakophonie abzulenken, kurzum, es ist ein Trauerspiel, und das im wahrsten Sinne. Es erinnert an die Fünf Phasen des Sterbens: Leugnung, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz.
Prognose für die FDP? Gibt es überhaupt noch eine? Fraglich zumindest, momentan jedoch deutet alles eher auf ein baldiges Ende gleich einer Protestpartei hin, einer Verpuffung eines Sammelbeckens bitterer Enttäuschung, die nun nur umso mehr Enttäuschung freisetzt. Das aalglatte BWLer-Schnösel-Image, das die FDP lange aufgebaut hat, wird sie so schnell nicht los, und es ist auch weit und breit niemand in Sicht, der aus einem ganz netten Programm und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wieder etwas mehr als eine Splitterpartei machen könnte. Stattdessen schlägt nun alles über ihr zusammen:
– Die rechtsextreme Vergangenheit (Nazi-Skandale, Naumann-Affäre, Möllemann-Affäre, …) und rechtspopulistische Wahlkämpfe der FDP veranlaßte immer wieder Linksliberale und angesehene Persönlichkeiten aus der Partei auszutreten.
– „Umfallerpartei“ seit 1961.
– Die Abspaltung des sozialliberalen Flügels 1982 führte dazu, daß die FDP nur noch Anhängsel und Mehrheitsbeschaffer der (Kohl-) CDU war, koalitionsunfähig mit anderen Parteien.
– Niedergang in den 1990er Jahren, zur Europawahl und in 12 von 16 Landesparlamenten an der 5%-Hürde gescheitert, 1998 zweitschlechtestes BTW-Ergebnis i.H.v. 6,2%.
– Seit dem Abgang von Genscher, Lambsdorff & Co. erfolgte eine radikale Reduzierung liberaler auf rein wirtschaftsliberale Klientel-Politik.
– Spaßpartei-Image unter Guido Westerwelle Anfang 2000er Jahre („Guidomobil“, …),
– Plagiatsaffären um FDP-Politiker (Silvana Koch-Mehrin, Jorgo Chatzimarkakis, …), und die
– Implosion der Partei in 2011 durch mangelnde Konzepte und akuten Personalnotstand geben ihr nun den Rest.
Hohn und Spott ist derzeit das Einzige, was diese Partei noch ernten kann, so daß man geneigt sein möge, um den Gnadenschuß zu bitten. Aber – wer weiß, wozu sie noch gut sein wird. Die FDP wird von ihrer jahrzehntelang gepredigten radikalen Marktfreiheit möglicherweise schon bald selbst eingeholt. Nicht nur, daß sie ihren eigenen Platz am Politik-„Markt“ selbst vernichtet, vielleicht gelingt ihr sogar noch der ganz große Wurf, und sie schafft noch ganz andere völlig außer Kontrolle geratene Märkte ab, wenn sie weiterhin so mitregiert. Da sich die großen Gesellschaftssysteme als beharrlich reformierungsresistent erweisen, könnte darin eine reale Chance liegen. Der FDP würde allerdings nicht einmal das mehr helfen.

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Windows-Feature: BlueScreen per Tastenkombination

Posted by krischan - 20. Juli 2011

Wenn Ihr Windows 2000, XP oder Server 2003 R2 wie bei Microsoft üblich seit SP2 erstaunlich stabil läuft und Sie schon die BlueScreens vermissen, dann brauchen Sie nicht gezielt Systemdateien so zu bearbeiten oder löschen, um mal wieder einen zu sehen. Denn es gibt ein in diesen Windows-Versionen eingebautes „Feature“ (?), mit dem Windows auch ganz gezielt und einfach per Tastenkombination zum Absturz gebracht werden kann:
Hierzu muß nur in der Registry im Schlüssel
HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\i8042prt\Parameters\
dem DWORD „CrashOnCtrlScroll“ der Wert „1“ (0x00000001) zugewiesen sein, und nachdem Sie diese Option aktiviert haben, halten Sie nun die rechte STRG-Taste gedrückt und drücken dabei die „Rollen“-Taste zwei Mal.
Windows reagiert nun auf Tastendruck mit einem netten MANUALLY_INITIATED_CRASH (0xE2) BlueScreen.
Viel Spaß!

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13 Monate Pirat – Eine Zwischenbilanz

Posted by krischan - 13. Juli 2010

Seit nunmehr 13 Monaten bin ich Mitglied der Piratenpartei, obwohl ich mir einst schwor, nie in eine Partei einzutreten, nachdem ich bereits in jungen Jahren durch Jugendverbandsarbeit in Gremien auf Landesebene das schmutzige Geschäft der Politik kennengelernt hatte. Aber U.v.d.L. hatte es geschafft, mich mitsamt über 10.000 anderen eine neue Flagge hissen zu lassen: die der Piratenpartei. Nach langer Zeit der persönlichen Resignation über eine zu einem miesen Schmierentheater verkommene Politik, die keine Probleme mehr löst, sondern immer mehr selbst zum Problem wird, indem sie ihren Auftrag zur Zukunftsgestaltung durch Unterlassen weitestgehend unterminiert und immer noch an den systemischen Problemen der letzten 30 Jahre herumlaboriert. Die Piraten boten einen Hafen für Politik zum Mitmachen, und dabei durfte man sogar noch Spaß haben. Der Wahlkampf machte sehr viel Spaß. Unkonventionell, improvisativ, … und erfolgreich. Ein Sommermärchen – nicht Fußball, sondern tatsächlich Politik. Der Bundesparteitag war zwar zäh, trocken und blutleer in genauso endlosen wie sinnlosen Diskussionen über Prinzipien, Verfahren, GO-Anträge, Satzungsänderungsanträge, Wahlen. Aber er war Basisdemokratie und bescherte viele sympathische Begegnungen am Rande, u.a auch mit Jörg Tauss, der sicherlich die Initialzündung zum explosiven Aufstieg der Piratenpartei gab. Eine erste Irritation trat am Abend des 27.09.09 bei mir ein: Statt einer nach wochenlangem Wahlkampf mit großem persönlichen Einsatz höchstverdienten Feier der guten Wahlergebnisse von 2% sah ich nur lange Gesichter um mich herum. Die Beerdigungstimmung war schnell erklärt: Viele trugen gerade ihre tatsächlich ernsthafte Erwartung zu Grabe, stante pedes in die Parlamente einzuziehen, und einige anscheinend allen Ernstes sogar ihre Phantasterein über Ämter, Pöstchen und Regierungsverantwortung. Ich war das erste mal genauso entsetzt wie verärgert. Sicherlich waren die vergangen Wochen für die Piraten äußerst euphoriegeschwängert und nichts schien unmöglich. Den Unterschied zwischen möglich und realistisch schien nun jedoch viele hart zu treffen. In dieser Hinsicht konnten sich nun in der Tat diejenigen bestätigt sehen, die die Piraten als eine neue Spinnerpartei abgetan hatten. Die tatsächliche Spinnerquote schien doch weitaus höher zu liegen als mir seit dem Bundesparteitag bewußt war. Daß nach den Wahlen einige Gewitterfronten durch die Piratenpartei ziehen werden, war mir vorher klar. Eine mehr als Verzehnfachung der Mitgliederzahlen in nur wenigen Wochen mußte zwangsläufig die bisherige strukturelle Integrität der Partei sprengen. Meine Hoffnung war, daß sich realitätsverhaftete „Digital Natives“ durchsetzen würden. Da bin ich mir heute leider nicht mehr so sicher, obwohl von den für diesen Selbstreinigungsprozeß von mir veranschlagten 2 Jahren nun erst 10 Monate um sind. In unzähligen Grabenkämpfen haben sich zwar viele aus den Reihen der unterschiedlichen Spinnergruppierungen in der Piratenpartei gegenseitig aus ihren Umlaufbahnen geworfen. Deren Form des Kontaktes mit der Wirklichkeit waren jedoch oftmals Einschläge, die jegliches Leben in weitem Umkreis ausgelöscht haben. Ganze Landesverbände drohen unlängst darunter zu zerspilttern oder gar zu verdampfen, viele der fähigsten Köpfe und vor allem Hände der Piratenpartei sind dabei über Bord gegangen. Nach außen war die Piratenpartei unjüngst nur noch wenig wahrnehmbar und von dem bißchen war nur wenig positiv. Nach innen gor es gewaltig, und die Erosion durch gegenseitige persönliche Beharkung scheint mir noch munter weiterzugehen. Einige Gliederungen der Partei haben es bestenfalls geschafft, es sich in sich selbst ganz gemütlich einzurichten. Das sind soweit meine Erfahrungen. Mir bleibt kaum mehr als zu hoffen, daß in mir unbekannten Landen die Situation eine hoffnungsfrohere ist.

Quo vadis, Piratenpartei?
Die Mannschaft der Piratenpartei
Ein großes Problem scheint mir zu sein, daß die lautesten Schreihälse nicht unbedingt die klügsten sind, und diejenigen Eiferer, die am stärksten in Ämter und auf Posten streben, nicht notwendigerweise die kompetentesten. Insofern gehts der Piratenpartei nicht anders als den etablierten. Sollte dieser Mißstand nicht in dem anwährenden Selbstreinigungsprozeß ausgewaschen werden können, wird sie wieder in Bedeutungslosigkeit untergehen. Aber ich habe noch Hoffnung und Geduld dafür.

Das Programm der Piratenpartei
Daß ich überhaupt erst an dieser Stelle darauf eingehe, ist sicherlich deutungsfähig, aber nicht ausführungsbedürftig meinethalben. Es wurde auch schon viel und mehr als genug hierüber getritten. Was mich extremst wundert, ist ein ebenso offener wie offensichtlicher Widerspruch, der noch wunderlicherweise jedoch bisher weder diskutiert noch überhaupt je angesprochen wurde. Einerseits wird leidenschaftlich darüber getritten, ob das Programm ausgeweitet werden soll oder nicht und vor allem wenn ja, wie – 1000 Leute, mindestenst 1001 Meinungen, genau dasselbe unendliche Theater wie in allen anderen Parteien auch. In NRW wurde sich anläßlich der Landtagswahlen dort große Mühen gemacht. Andererseits ist einer der Kernpunkte der Piratenpartei Basisdemokratie – jenes fremde Wesen aus einem fernen Land vor unserer Zeit. Gleichzeitig ist eine der aktivsten und produktivsten Gruppierungen in der Piratenpartei mit „Liquid Democracy“ resp. „Liquid Feedback“ nicht nur theoretisch, sondern bereits ganz praktisch beschäftigt. Da springt es doch geradezu ins Auge, daß der von allen anderen Parteien eingeschlagene und mehr als ausgetretene Weg einer klassischen „Vollprogrammpartei“ nur auch genau dahin führen kann, wohin er alle anderen bereits führt, nämlich in die Sackgasse. Für mich ist das Ziel und der Weg der Piratenpartei somit vollkommen klar: zukunftsorientiert, moderne technische Möglichkeiten nutzend eine echte Demokratie aufbauend statt scheindemokratischer „Politik von Oben“ in Form derzeitiger parteipolitischer Expertokratie, Lobby- und Hinterzimmerpolitik, Geheimdiplomatie etc. Wenn es eine neue Partei braucht, dann nicht nur zum Mitmachen, sondern zum wirklichen Mitbestimmen. Niemand braucht noch eine Partei, die dem mündigen Bürger nur ein weiteres fertiges Gesamtpaket vorsetzt à la „Friß oder stirb“. Die vermeintliche Politikverdrossenheit ist tatsächlich Machtlosigkeit, die zur Resignation geführt hat. Dieses staatsgefährdende Prinzip ist sowohl gesamtgesellschaftlich etabliert, als auch bereits in der Piratenpartei am Wirken. Aus genau demselben Grund, aus dem ich nur schwerlich noch Politiknachrichten ertrage, bin ich es auch leid, endlos in der Piratenpartei über einzelne Themen zu diskutieren. Die Realität ist außerhalb wie innerhalb der Pirtenpartei dieselbe: Wer am längsten und lautesten schreit und damit alle anderen nur lange genug nervt, bis sie aufgeben, setzt sich durch. Das braucht niemand nochmals in orange, das gibt es schon in schwarz, gelb, grün und zweimal rot, und in der Sache läuft es alles auf dasselbe hinaus, wie die Vergangenheit überdeutlich zeigt. Im Informationszeitalter ist nicht länger mangelnde Information der Bevölkerung das Problem, die ihr die Entscheidungsfähigkeit abspricht, sondern ein Mangel an Entscheidungen, Mängel in den Entscheidungen und Mängel in den Entscheidern. Die Entscheider in unseren Regierungen führen ein Leben auf dem Stand eines dreijährigens Kindes, sie werden in Wagen gefahren, bekommen ihre Taschen und Sachen hintergertragen und ihr Essen gekocht und serviert, und die Volksvertreter in den Parlamenten vetreten ein Volk, in dem es gar keine Arbeitslosen gibt, aber ein Viertel der Bevölkerung Juristen sind. Ergo: Qui bono?

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Mein Senf zur WM 2010

Posted by krischan - 11. Juli 2010

Letzter Abpfiff. Aus, vorbei. Das war sie also nun, die 19. FiFa Fußballweltmeisterschaft der Männer 2010 in Südafrika.
32 Nationen, 64 Spiele, 5880 Minuten Weltfußball, 142 Tore usw.
Es war wieder einmal eine schöne WM, die erste auf dem afrikanischen Kontinent, die viele Vorurteile widerlegt und nur einige bestätigt hat. Schade, daß die Stadien oft nicht voll waren. Anfangs zehrten die Vuvuzelas extremst an den Nerven, woran man sich zwar gewöhnte mit der Zeit, aber so fehlten doch leider jegliche Fangesänge.
Besonders bemerkenswert für mich dabei, daß die einzige aus diesem stetigen Trötensumpf heraushörbare Publikumsäußerung die lauten Buh-Rufe gegen Suarez waren, den Spieler Uruguays, der in der letzten Spielminute auf der Torlinie per Hand den Halbfinaleinzug der letzten im Turnier verbliebenen afrikanischen Mannschaft, Ghana, verhindert hatte, und mit dieser grob unfairen Aktion leider auch noch Erfolg hatte, was uns einmal mehr daran erinnert, daß die Welt schlecht und ungerecht ist. Neue Freunde haben sich die Niederlande mit ihrem Knochenmühlenfinale wohl auch kaum gemacht haben. Immerhin wurden sie nicht mit einem unverdienten Sieg belohnt, sondern mit zahllosen gelben Karten, die auch oftmals rotwürdig waren.
Die vormaligen Finalisten schieden bereits nach der Vorrunde aus, Frankreichs Mannschaft hat sich gleich komplett selbst demontiert und nur in der Boulevardpresse große Schlagzeilen gemacht, Italien einfach nur grottenschlechten Fußball gezeigt. Erstmals schied auch das Gastgeberland nach der Vorrunde aus, erstmals stand Spanien im Finale und wurde gleich erstmals Weltmeister. Herzlichen Glückwunsch.
Das nach meinem Geschmack am häufigsten mißbräuchlich verwendete Wort in der Berichterstattung: „Emotionen“, meist in unheilvoll dichter Gesellschaft des Wortes „präsentieren“.
Deutschland ist zum vierten Mal Dritter geworden, war bereits viermal Vizeweltmeister und bekanntlich dreimal Weltmeister, wir rollen das Feld also von hinten auf. 2006 die WM der „Weltmeister der Herzen“, genauer gesagt der deutschen Herzen. Bei dieser WM 2010 nun haben unsere Jungs mit dem am schönsten anzuschauenden Fußball im gesamten Turnier nun auch viele Herzen in der ganzen Welt erobert. Und dafür sage auch ich an dieser Stelle danke: Danke!
Wurde Australien als erster Gegner der deutschen Mannschaft zunächst noch größer gemalt als er wirklich war, verloren wir dann als einziger unser Spiel gegen Serbien, und die üblichen Reaktionen rauschten durch Äther und Blätterwald. Ich konnte mich da keine Meinung anschließen. Ich fand das Spiel nicht einmal schlecht, und auch nicht die Leistung der deutschen Mannschaft oder einzelner Spieler. Denn eines gehört zu jedem Spiel auch dazu. Glück. Das wird im Profifußball als Faktor anscheinend gar nicht mehr gelten gelassen, aber das war es, was an diesem Tag fehlte: schicht ein kleines, nötiges Quäntchen Glück. Aber die Serben haben auch gut gegen uns gespielt, das deutsche Spiel geschickt zugestellt und abgeschnürt, das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Erstens aus Fairness dem Gegener gegenüber und zweitens kann daraus Wichtiges gelernt werden.
Das Spiel gegen Ghana war nicht das Torreichste oder Glorreichste, was jedoch weder der Spannung noch der Freude beim Zuschauen abträglich war. Die Spiele gegen England und Argentinien waren einfach ein Traum, alleine dafür verdient unserer Mannschaft höchste Anerkennung und Dankbarkeit für 180 MInuten traumhaften Spiels. Müller, Schweinsteiger, Lahm, Neuer & Co. wurden bereits allenorts – und das völlig zurecht – über den Klee gelobt, weshalb das hier der Vollständigkeit aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben soll. Nach einer frustierenden Saison für v.a. Friedrich und Klose war diese WM eine persönliche Rehabilitation, was mich mit den Spielern extremst mitfreut.
Was lief gegen Spanien nicht richtig? Es war nicht nur das Glück. Noch bevor die ersten 5 Minuten verstrichen waren, erklärte ich das Spiel für verloren. Irgendetwas lief einfach nicht, es schien, als wäre mit Müller das Herz der Mannschaft herausgerissen worden. Sehr schade. Die Diskussion vor dem Spiel über den künftigen Kapitän erfolgte sicherlich zu einer Unzeit. Da sie aber nun eröffnet ist, nun auch meine Meinung dazu: Ballacks ist de facto raus, Pech für ihn, aber seine Zeit ist – nur etwas weiter nach vorne geschaut – abgelaufen. Er sollte den Weg frei machen für den Jüngeren.
Ein anderes Thema, das jede WM immer wieder aufs Neue die Gemüter erregt: die Schiedsrichter. Gravierende Fehlentscheidungen verfälschen sicherlich Spielausgänge und sicherlich somit auch den Turnierverlauf. Fakt ist aber, jede Fußball-WM ist auch eine Schiedsrichter-WM. Schade, daß einige übermotivierte Schiedsrichter Spiele kaputt pfeifen, ein Spiel an sich reißen und zu ihrer persönlichen Selbstdarstellung mißbrauchen. Das blieb uns auch diesmal nicht erspart, was in der heutigen Zeit jedoch schlicht unnötig ist, da in immer mehr Sportarten technische Möglichkeiten gefunden werden, zu objektiveren und gerechteren Entscheidungen zu kommen. Die FiFa darf sich in dem Thema nicht weiter verweigern.
In diesem Sinne, auf ein Neues in Brasilien 2014.

Nachtrag: Nach einem dritten Platz, Kloses Aufstieg zur Nr. 2 in der WM-Torschützenliste, Müllers goldenem Schuh und Titel als Torschützenkönig 2010 besten Nachwuchsspieler, nationaler Begeisterung und internationalem Lob usw. usf. suhlen sich Nationalmannschaft und Deutschland nun in geradezu beleidigter Griesgrämigkeit daß man nicht Weltmeister geworden ist? Sorry Jungs, aber vermiest es einem doch nicht jetzt im nachhinein noch mit genau der Entschlossenheit, die gegen Spanien eben gefehlt hat. Wenn ich mir den Vizeweltmeister so anschau, finde ich den 3. Platz eher noch dankbarer, da man immerhin mit einem Sieg aus dem Turnier geht.  Die sympathische Vor-WM-Lebensfreude scheint nicht mit nach Deutschalnd zurückgeflogen zu sein. Schade.

Ich freu mich trotzdem. Obwohl…wenn ich mirs so recht überlege, ist heute ja wirklich der traurigste Tag überhaupt, weil es heute am meisten Tage bis zur nächsten WM sind… Nichts ist so gut, daß man es nicht auch schlecht machen kann.

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Schrei

Posted by krischan - 26. Juni 2010

Es verschwand unter einem großen Tuch. Unter eifrigem Wischen, Rubbeln und Scheuern löste sich eine Menge Dreck, der an den Tuchrändern herausfiel, mit viel Politur wurde geglättet bis zum absoluten, perfekten Glanz. Heute ist es soweit: Das Tuch wird abgezogen, und nun strahlt es ihn an: Das Nachbarhaus ist saniert. Das graue Pappdockendach, das wie das graue Haar eines Greisen das Haupt des Hauses bedeckte, ist dem rötesten Rot gewichen, das Tonpfannen aufbieten können. Die ehemals rissige, dunkle, gefleckte und mit vielen Narben bedeckte Haut ist nun glatt und makellos weiß. Die trüben, alten Augen, Fenster aus welligem Glas und dünnen Holzrahmen, an denen viele Farbschichten blätterten, sind ausgewechselt worden gegen gestochen scharf und glasklar sehende Kunststoffenster. Er wußte es vorher: Er mag es nicht. Das Weiß ist ihm zu weiß, das Rot zu rot und die Fassade zu glatt, die Fenster zu künstlich und die davorgestellten Balkone zu klotzig. Es ist ihm, als sei er umgezogen: Der Ausblick aus seiner Wohnung hat sich verändert. Ohne sich selbst zu bewegen, ist er jetzt angekommen, ob er will oder nicht, in der schicken Neuen Mitte. Ungestüm drängt sie sich in seinen Hinterhof, drängt sich ihm auf, schiebt ihm ihre Titten mitten ins Gesicht. Warte nur, bis Du etwas Patina angesetzt hast, denkt er sich. Er konnte dem Älterwerden schon immer etwas Positives abgewinnen.
Im Hof hört er jemanden reden. Viel zu laut für diesen Hof. Eine Männerstimme. Ein nicht enden wollender Monolog, durchsetzt mit kräftigen „Yo!“s, wechselweise mit „Dickerchen“, „mein Lieber“ und „kein Problem“ als Einleitung zum nächsten Wortschwall. Aha, Monsieur 100.000 Dezibel kommt gerade aus der Agentur, fliegt morgen nach Brüssel. Toller Hecht. Das liebe Dickerchen, mit dem er keine Probleme hat, wohnt also in München. Wie spannend. ‚Erzähl mir mehr!’ Yo, es braucht eine Zweitwohnung in Berlin. Natürlich in Mitte. Yo!
Er stellt sich vor, der ganze Hof sei morgen schon mit viel zu laut redenden, mobil telefonierenden Männern gefüllt, die ihren besten Freunden, weil geduldigsten Zuhörern aus München, Düsseldorf und bestimmt auch London, wenn nicht gar New York oder Tokio, zu einer Wohnung in Mitte verhelfen wollen. Es ist ein optimaler Zeitpunkt, Opa in Püttelkow mal wieder anzurufen! Er setzt sich auf die Fensterbank. Im engen Hof kocht die Nachmittagssonne Ausdünstungen des verjüngten Nachbarhauses zu ihm hoch. Die Kohlesprechkapsel seines alten Bakkelittelefons ist genauso wie Opa noch schwerhöriger geworden. Er brüllt über den Telefonhörer durchs offene Fenster in den Hof: „Mir geht’s gut, wie geht es dem alten Herrn?“ Opa hat Stuhlprobleme? Da will ich Details! Keinen Durchfall von zu viel Alkohol, sondern Verstopfung wegen des Bewegungsmangels nach der Schenkelhalsfraktur? Herrje aber auch.
Monsieur 100.000 Dezibel schaut hoch. Ein angestrengter Blick, um den sich das ganze Gesicht zusammenknautscht, um den Strahl brutalstmöglichst zu bündeln und ihm somit eine hoffentlich tödliche Wirkung verleihen zu können. Engarde! Opa sagt, es tue ihm leid, schlecht gucken könnte er ja schon immer gut, aber jetzt höre er doch sehr schlecht. – „Ach, schwerhörig würd’ ich das nicht nennen, Opa. Schau mal, Du bist neunzig, heutzutage sind dagegen viele bereits mit Mitte Zwanzig so gut wie taub. – Das kommt bestimmt von diesen Handys…“
Wie ein brüllender Löwe verteidigt er seinen Hof. Er hatte lange nicht so laut gesprochen, daß seine Stimme gerade noch nicht überschlug. Aber er konnte es auf Anhieb, er mußte es nicht lernen. Das Schreien schlummerte in ihm.

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Bitte warten!

Posted by krischan - 25. Juni 2010

In den U-Bahnhöfen hängen Schilder: Sie warten gerade auf die U-Bahn. Deutsche Alzheimer Gesellschaft. In der U-Bahn weiß ich noch immer sehr genau, worauf ich gerade warte. Aber zunehmend spüre ich eine Unruhe in mir. Ich warte. Ohne zu wissen, worauf. So kommt es mir vor.
Meine Eltern warten auf den Tod. Nicht, daß sie so alt wären, daß sie nichts anderes mehr vom Leben zu erwarten hätten, nein. Aber sie haben frühzeitig vergessen, wie es ist, zu leben. Mein Freund wartet darauf, daß ich ihm endlich mal sagen werde: „Ich liebe Dich.“ Mein Bruder wartet darauf, daß meine Schwägerin endlich schwanger wird, während sie hingegen anscheinend nur noch darauf wartet, daß er ihr endlich einen Grund liefert, mit dem sie ihn logisch fundamentiert, ohne großes Aufsehenserregen loswerden kann. Meine Kollegen warten darauf, daß unser Chef hinausgeworfen wird, damit einer von ihnen seine würdige Nachfolge antreten kann; mein Chef wiederum wartet darauf, daß ich kündige, und dieses Warten versucht er sich wo nur möglich tatkräftig unterstützend zu verkürzen. Regierungspolitiker warten auf die nächste Krise, die Opposition auf Neuwahlen, die Bürger auf die 20-Uhr-Nachrichten, Beamte auf die Frühpensionierung, Büroangestellte auf die Morgenzeitung, die Mittagspause und den Gehaltseingang, die moderne Hausfrau auf den Paketdienst, die gelangweilte darauf, von Außerirdischen entführt zu werden, oder einfach nur aufs Wochenende, um vorm Fernseher wieder auf den Montag zu warten. Warten. Alles wartet. Bitte hinten anstellen. Diskretionsabstand einhalten. Nicht drängeln.
Ich weiß weder, worauf ich warte, noch wo ich mich hinten anstellen sollte. Mißachte ich etwa gerade einen Diskretionsabstand? Ich würde gern drängeln, wenn ich nur wüßte, wohin.
Ausschlußprinzip: Ich warte nicht auf meinen Freund. Er ist immer überpünktlich. Wie beim Hasen und dem Igel: „Ich bin schon da!“ Ich warte höchstens darauf, endlich einmal auf ihn zu warten. Ihn zu vermissen, mich nach ihm zu sehnen. Das geht nie, er ist schon immer da! Ich warte auch nicht auf den obligatorischen Anruf meiner Mutter, wo doch bald wieder Weihnachten ist. Als gute Aufzucht ihrer Brut befand sie eine gute Fütterung für absolut ausreichend. Seit sechzehn Jahren kann ich selbst gut kochen. Ich warte auch nicht auf ein plötzliches Auftauchen meines Bruders, damit er sich in meinem Beisein und darausfolgendem zwangsläufigen Nichtbeisein seiner Frau je nach Angebots- und Stimmungslage, in jedem Falle aber bis zur hemmungslosen Besinnungslosigkeit betrinken oder bekiffen kann, in Ausnahmefällen auch beides gleichzeitig.
So habe ich die ganze Nacht jeden und alles ausschließen können. Ich warte auf nichts und niemanden.
Aber ich warte. Will Ich vielleicht einfach nur drängeln und schubsen können, mich vordrängeln um des Vordrängelns Willen?
Ich warte. Ich warte. Ich warte. Ich warte. Ich… Ich warte ich. Syntaktisch richtig: Ich warte auf mich. Ach ja? Das geht eigentlich nicht, denn noch viel mehr als mein Freund müßte ich ja schon immer da sein, egal, wohin ich will. Es geht folglich nur, wenn ich nicht bei mir bin. Ich muß schon lange nicht ganz bei mir gewesen sein.
Ich muß weg. Egal, wo ich gerade bin, ich bin da falsch. Ich muß weg von hier, hin zu mir. Erst wenn ich da angekommen bin, erst dann brauche ich wieder auf etwas oder jemand anderes zu warten.
„Verzeihen Sie bitte. Nein, ich brauche mich nicht hinten anzustellen. Ich muß mich vordrängeln. Nein, ich brauche auch keinen Diskretionsabstand zu mir. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, ich werde dringend erwartet.“

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de-letepedia

Posted by krischan - 30. Oktober 2009

“Wenn das Gehirn so einfach wäre, daß wir es verstehen könnten, wären wir zu dumm, um es zu begreifen.” (Jostein Gaarder)

So ähnlich verhält es sich anscheinend auch mit der de-Wikipedia.

An der Relevanz kränkelt die de-WP ebenso lange wie therapieresistent, so daß die de-WP längst selbst beträchtlich an Relevanz verloren hat. Seit Jahren wird versucht, mit typisch deutsch- kleinbürgerlicher Beamten-Mentalität enzyklopädisches Wissen zu verwalten. Das ist vollends in die Sackgasse bis an die Wand gefahren und nun auch weithin sichtbar geworden. Der Schaden _ist_ bereits immens, zu viele solide Artikel wurden maßlos gelöscht, zu viele Autoren wurden sinnlos vergrault, zu viele Suchanfragen bleiben heute ohne Not ergebnislos. Wenn Relevanzkriterien derart destruktiv angewandt werden, daß nur das relevant ist, was ohnehin bereits jeder weiß, dann hat sich der Sinn und Zweck einer Enzyklopädie in sich selbst erschöpft.

Ich machte mir einmal die Mühe, einen de-WP-Artikel zu erstellen, indem ich einen der en-WP übersetze und ausbaute, nachdem ich in der de-WP einfach nichts fand. Anklage, Ermittlungsergebnis und Urteil in einem Streich: irrelevant.
“Mit Arroganz gegen die Irrelevanz” wurde jahrelang stur und unbeirrbar ein Kreuzzug im Namen einer höher relevanzbeseelten Wissenselite geführt, und nun plötzlich ist die Entrüstung groß, daß sich eine Flutwelle massiven, breit wie lang und hoch angestauten Frustes entlädt? Das beweist doch nur die Borniertheit eines Löschregimes, welches sich da unjüngst etabliert und sich jahrelang gegen jegliche berechtigte Kritik gesperrt und anderen Argumenten völlig verweigert hat. Und sich nun immer noch ebenso arrogant wie ignorant entgegenstellt, weil es nun nicht gefälligst gelobpudelt, sondern blasphemisch kritisiert wird, da ja alle Kritiker keine Ahnung vom “System Wikipedia” haben?!
Ich muß auch keine Ahnung vom “System Auto” haben und erst jahrelang studieren und Ingenieur werden, um es fahren zu können und bei Bedarf Sprit, Wasser und Öl nachzufüllen. Vor allem muß ich mir nicht arrogant von einem “System Auto” sagen lassen, daß jede zweite meiner Fahrten einfach nicht relevant genug ist, um überhaupt erst anzuspringen, und wenn ich das dennoch meine, daß ich dann eben nur in englischsprachigen Gegenden fahren soll.

Dieser Sturm, der da an MOGIS entfacht ist, kommt jedenfalls nicht von ungefähr, sondern aus gleich mehreren Richtungen: von frustrierten Autoren, deren Engagement als irrelevant abgetan wird, von frustierten Benutzern, deren Suchanfragen zunehmend nur noch in der en-WP zu einem Ergebnis führen, und von einer Schar selbstherrlicher Admins, die selber gern jegliches Augenmaß und Umgangsformen vermissen lassen, sie dann bei den anderen aber umso beharrlicher einfordern. Und wenn schon WP-Admins irgendwie irgendwann von irgendwem irgendwo gewählt wurden, sind sie dennoch keine Kanzler oder Präsidenten, die eine Macht auszuüben haben, sondern eher administrative Sozialpädagogen – im wahrsten Sinne des Wortes: sozial, da sie Mitglied einer Gemeinschaft sind, über die sie nicht zu bestimmen haben, sondern deren Teil sie sind; Pädagogen, weil es um Wissen und dessen Vermittlung und Form geht, die sie lediglich verwalten und nicht diktieren sollen.

“Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt fühlen, sondern vielmehr dadurch, daß die Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.”
(Max Planck)

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