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Mein Senf zur WM 2010

Posted by krischan - 11. Juli 2010

Letzter Abpfiff. Aus, vorbei. Das war sie also nun, die 19. FiFa Fußballweltmeisterschaft der Männer 2010 in Südafrika.
32 Nationen, 64 Spiele, 5880 Minuten Weltfußball, 142 Tore usw.
Es war wieder einmal eine schöne WM, die erste auf dem afrikanischen Kontinent, die viele Vorurteile widerlegt und nur einige bestätigt hat. Schade, daß die Stadien oft nicht voll waren. Anfangs zehrten die Vuvuzelas extremst an den Nerven, woran man sich zwar gewöhnte mit der Zeit, aber so fehlten doch leider jegliche Fangesänge.
Besonders bemerkenswert für mich dabei, daß die einzige aus diesem stetigen Trötensumpf heraushörbare Publikumsäußerung die lauten Buh-Rufe gegen Suarez waren, den Spieler Uruguays, der in der letzten Spielminute auf der Torlinie per Hand den Halbfinaleinzug der letzten im Turnier verbliebenen afrikanischen Mannschaft, Ghana, verhindert hatte, und mit dieser grob unfairen Aktion leider auch noch Erfolg hatte, was uns einmal mehr daran erinnert, daß die Welt schlecht und ungerecht ist. Neue Freunde haben sich die Niederlande mit ihrem Knochenmühlenfinale wohl auch kaum gemacht haben. Immerhin wurden sie nicht mit einem unverdienten Sieg belohnt, sondern mit zahllosen gelben Karten, die auch oftmals rotwürdig waren.
Die vormaligen Finalisten schieden bereits nach der Vorrunde aus, Frankreichs Mannschaft hat sich gleich komplett selbst demontiert und nur in der Boulevardpresse große Schlagzeilen gemacht, Italien einfach nur grottenschlechten Fußball gezeigt. Erstmals schied auch das Gastgeberland nach der Vorrunde aus, erstmals stand Spanien im Finale und wurde gleich erstmals Weltmeister. Herzlichen Glückwunsch.
Das nach meinem Geschmack am häufigsten mißbräuchlich verwendete Wort in der Berichterstattung: „Emotionen“, meist in unheilvoll dichter Gesellschaft des Wortes „präsentieren“.
Deutschland ist zum vierten Mal Dritter geworden, war bereits viermal Vizeweltmeister und bekanntlich dreimal Weltmeister, wir rollen das Feld also von hinten auf. 2006 die WM der „Weltmeister der Herzen“, genauer gesagt der deutschen Herzen. Bei dieser WM 2010 nun haben unsere Jungs mit dem am schönsten anzuschauenden Fußball im gesamten Turnier nun auch viele Herzen in der ganzen Welt erobert. Und dafür sage auch ich an dieser Stelle danke: Danke!
Wurde Australien als erster Gegner der deutschen Mannschaft zunächst noch größer gemalt als er wirklich war, verloren wir dann als einziger unser Spiel gegen Serbien, und die üblichen Reaktionen rauschten durch Äther und Blätterwald. Ich konnte mich da keine Meinung anschließen. Ich fand das Spiel nicht einmal schlecht, und auch nicht die Leistung der deutschen Mannschaft oder einzelner Spieler. Denn eines gehört zu jedem Spiel auch dazu. Glück. Das wird im Profifußball als Faktor anscheinend gar nicht mehr gelten gelassen, aber das war es, was an diesem Tag fehlte: schicht ein kleines, nötiges Quäntchen Glück. Aber die Serben haben auch gut gegen uns gespielt, das deutsche Spiel geschickt zugestellt und abgeschnürt, das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Erstens aus Fairness dem Gegener gegenüber und zweitens kann daraus Wichtiges gelernt werden.
Das Spiel gegen Ghana war nicht das Torreichste oder Glorreichste, was jedoch weder der Spannung noch der Freude beim Zuschauen abträglich war. Die Spiele gegen England und Argentinien waren einfach ein Traum, alleine dafür verdient unserer Mannschaft höchste Anerkennung und Dankbarkeit für 180 MInuten traumhaften Spiels. Müller, Schweinsteiger, Lahm, Neuer & Co. wurden bereits allenorts – und das völlig zurecht – über den Klee gelobt, weshalb das hier der Vollständigkeit aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben soll. Nach einer frustierenden Saison für v.a. Friedrich und Klose war diese WM eine persönliche Rehabilitation, was mich mit den Spielern extremst mitfreut.
Was lief gegen Spanien nicht richtig? Es war nicht nur das Glück. Noch bevor die ersten 5 Minuten verstrichen waren, erklärte ich das Spiel für verloren. Irgendetwas lief einfach nicht, es schien, als wäre mit Müller das Herz der Mannschaft herausgerissen worden. Sehr schade. Die Diskussion vor dem Spiel über den künftigen Kapitän erfolgte sicherlich zu einer Unzeit. Da sie aber nun eröffnet ist, nun auch meine Meinung dazu: Ballacks ist de facto raus, Pech für ihn, aber seine Zeit ist – nur etwas weiter nach vorne geschaut – abgelaufen. Er sollte den Weg frei machen für den Jüngeren.
Ein anderes Thema, das jede WM immer wieder aufs Neue die Gemüter erregt: die Schiedsrichter. Gravierende Fehlentscheidungen verfälschen sicherlich Spielausgänge und sicherlich somit auch den Turnierverlauf. Fakt ist aber, jede Fußball-WM ist auch eine Schiedsrichter-WM. Schade, daß einige übermotivierte Schiedsrichter Spiele kaputt pfeifen, ein Spiel an sich reißen und zu ihrer persönlichen Selbstdarstellung mißbrauchen. Das blieb uns auch diesmal nicht erspart, was in der heutigen Zeit jedoch schlicht unnötig ist, da in immer mehr Sportarten technische Möglichkeiten gefunden werden, zu objektiveren und gerechteren Entscheidungen zu kommen. Die FiFa darf sich in dem Thema nicht weiter verweigern.
In diesem Sinne, auf ein Neues in Brasilien 2014.

Nachtrag: Nach einem dritten Platz, Kloses Aufstieg zur Nr. 2 in der WM-Torschützenliste, Müllers goldenem Schuh und Titel als Torschützenkönig 2010 besten Nachwuchsspieler, nationaler Begeisterung und internationalem Lob usw. usf. suhlen sich Nationalmannschaft und Deutschland nun in geradezu beleidigter Griesgrämigkeit daß man nicht Weltmeister geworden ist? Sorry Jungs, aber vermiest es einem doch nicht jetzt im nachhinein noch mit genau der Entschlossenheit, die gegen Spanien eben gefehlt hat. Wenn ich mir den Vizeweltmeister so anschau, finde ich den 3. Platz eher noch dankbarer, da man immerhin mit einem Sieg aus dem Turnier geht.  Die sympathische Vor-WM-Lebensfreude scheint nicht mit nach Deutschalnd zurückgeflogen zu sein. Schade.

Ich freu mich trotzdem. Obwohl…wenn ich mirs so recht überlege, ist heute ja wirklich der traurigste Tag überhaupt, weil es heute am meisten Tage bis zur nächsten WM sind… Nichts ist so gut, daß man es nicht auch schlecht machen kann.

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